Karte der Radtour um den Gardasee mit den drei Etappen in verschiedenen Farben

Radtour um den Gardasee: 170 km in drei Etappen

Ja, man kann den Gardasee mit dem Rad umrunden. Nur nicht so, wie viele es sich vorstellen: Der durchgehende Radweg ist im Bau, gefahren wird größtenteils auf der Gardesana, also der Uferstraße mit Autoverkehr und Tunneln.

Wie weit das genau ist, steht selten irgendwo. Ich habe die Runde deshalb nachrechnen lassen: 169.8 Kilometer und 1372 Höhenmeter mit dem Tourenrad, einmal komplett um den See.

Die Umrundung in Zahlen

Strecke mit dem Tourenrad169.8 km, 1372 Höhenmeter
Strecke mit dem Rennrad171.8 km, 1349 Höhenmeter
Höchster Punkt218 m über dem Meer
Tiefster Punkt65 m, also Seeniveau
Empfohlene Etappendrei Tage, siehe unten
Richtungbeide möglich, im Uhrzeigersinn liegt der schwere Teil am Schluss

Wie diese Zahlen zustande kommen

Ich habe die Strecke mit einem Fahrrad-Router über die Fähranleger als Wegpunkte berechnen lassen, damit sie am Ufer bleibt und nicht ins Hinterland ausweicht. Zusätzlich habe ich den See für den Router gesperrt, sonst hätte er die Fähre genommen und die Runde abgekürzt. Die Zahlen beschreiben also den Weg auf der Straße, Stand August 2026.

Warum überall 140 Kilometer steht

Die geläufige Angabe für den Gardasee-Radweg liegt bei 140 Kilometern, manchmal bei 165. Das ist aber nicht die Strecke, die du heute fährst, sondern die geplante Länge der Ciclovia del Garda, also des Radwegs, der gerade gebaut wird.

Der kürzt später ab, wo die Straße heute Umwege macht. Solange er nicht fertig ist, liegt die reale Runde bei rund 170 Kilometern. Welche Abschnitte schon befahrbar sind, habe ich im Überblick zum Gardasee Radweg zusammengetragen.

Die drei Etappen

In einem Tag ist die Runde nur etwas für Trainierte. Sinnvoll sind drei Tage, und die Aufteilung ergibt sich fast von selbst:

Riva del Garda bis Torri del Benaco40.7 km, 210 Höhenmeter
Torri del Benaco bis Desenzano46.1 km, 125 Höhenmeter
Desenzano bis Riva del Garda83.0 km, 1046 Höhenmeter

Der entscheidende Punkt

Das Westufer trägt 1046 der insgesamt 1372 Höhenmeter, also rund drei Viertel. Ost- und Südufer sind zusammen flacher als eine Feierabendrunde zu Hause. Wer die Runde gegen den Uhrzeigersinn fährt, also erst Westufer, hat den harten Teil am ersten Tag hinter sich. Im Uhrzeigersinn kommt er am Schluss, wenn die Beine schwer sind. Das ist meine Empfehlung, keine Regel.

Ostufer: Riva del Garda bis Torri del Benaco

40.7 Kilometer, 210 Höhenmeter. Von Riva über Torbole und Malcesine am Fuß des Monte Baldo entlang. Die Gardesana Orientale ist hier gut ausgebaut, hat aber Tunnel.

Süden: Torri del Benaco bis Desenzano

46.1 Kilometer, 125 Höhenmeter, die flachste Etappe. Über Bardolino, Lazise, Peschiera und Sirmione nach Desenzano. Hier gibt es die meisten fertigen Radwegabschnitte und die wenigsten Höhenmeter.

Westufer: Desenzano bis Riva del Garda

83.0 Kilometer, 1046 Höhenmeter. Die lange und die harte Etappe. Über Salò, Gardone Riviera, Toscolano-Maderno, Gargnano und Limone sul Garda zurück nach Riva. Zwischen Gargnano und Limone verläuft die Straße im Fels.

Die Tunnel: was dich erwartet

Die Gardesana führt auf beiden Seiten durch Tunnel, am Westufer besonders häufig. Sie sind der Grund, warum viele die Runde scheuen, und der Grund, warum die Ciclovia überhaupt gebaut wird.

Ich habe die Kartendaten dazu ausgewertet: In einem Ausschnitt beider Ufer auf Höhe von Torri del Benaco bis Malcesine liegen 26 Tunnel auf Haupt- und Landstraßen. Kein einziger ist darin für Räder gesperrt, elf sind ausdrücklich freigegeben, bei den übrigen fehlt eine Angabe.

Was diese Prüfung wert ist und was nicht

Das ist eine Auswertung von OpenStreetMap, kein Blick in die italienische Straßenverkehrsordnung. Eine fehlende Angabe in der Karte heißt nicht automatisch, dass Radfahren erlaubt ist, und Sperrungen können kurzfristig kommen. Maßgeblich ist die Beschilderung vor Ort. Ich nenne die Zahlen, weil im Netz oft pauschal steht, die Tunnel seien gesperrt. Das gibt die Datenlage nicht her.

Angenehm ist es trotzdem nicht. Die Röhren sind eng, laut und schlecht beleuchtet, und der Verkehr fährt dicht vorbei. Gutes Licht vorn und hinten ist Pflicht, nicht Empfehlung. Wer sich das nicht antun will, nimmt die Fähre.

Mit der Fähre abkürzen

Wer die Runde nicht komplett fahren will oder das Westufer auslassen möchte, nimmt die Fähre. Sie verbindet beide Ufer an vielen Stellen und nimmt Räder mit. Zwischen Torri del Benaco und Toscolano-Maderno verkehrt sogar eine Autofähre.

Damit lässt sich aus der Dreitagesrunde bequem eine Zweitagestour machen: Ostufer hinunter, im Süden herum, und ab Salò oder Maderno mit dem Schiff zurück ans Ostufer. Fahrpläne stehen unter Gardasee Schifffahrt.

Welches Rad passt

Tourenrad oder GravelDie naheliegende Wahl. 170 km und 1372 Höhenmeter auf drei Tage sind gut machbar, Gepäck passt ans Rad.
RennradGeht auch, die Strecke ist durchgehend asphaltiert. Gerechnet komme ich auf 171.8 km und 1349 Höhenmeter, also praktisch dasselbe. Ohne Gepäck und mit Quartier unterwegs die schnellste Variante.
E-BikeSinnvoll, wenn das Westufer abschreckt. Achte auf die Reichweite: 83 Kilometer mit über 1.000 Höhenmetern an einem Tag sind für einen Akku viel.
MountainbikeFür die Umrundung selbst unnötig, sie führt komplett über Asphalt. Am Monte Baldo dagegen genau richtig.

Wann du fahren solltest

April bis Juni und September bis Oktober. Im Hochsommer ist es am See heiß und der Verkehr auf der Gardesana dicht, was in den Tunneln unangenehm wird. Im Winter sind einzelne Abschnitte im Norden wegen Steinschlag gesperrt.

Die konkreten Touren mit Höhenprofil habe ich in der Fahrradkarte Gardasee gesammelt, dort stehen zehn Strecken mit Länge und Höhenmetern. Die Orte und Entfernungen zeigt die Gardasee Karte.

Häufige Fragen zur Umrundung

Wie viele Kilometer sind es einmal um den Gardasee?

Auf der Straße rund 170 Kilometer mit etwa 1372 Höhenmetern. Ich habe die Runde über die Uferstraße berechnen lassen, ohne Fährabkürzung. Die oft genannten 140 Kilometer beziehen sich auf die geplante Ciclovia del Garda, nicht auf die heutige Strecke.

Wie lange braucht man für die Umrundung?

Mit dem Tourenrad sind drei Tage angenehm, mit Etappen von rund 41, 46 und 83 Kilometern. Trainierte schaffen es an einem Tag, dann sind es aber knapp 170 Kilometer am Stück.

Gibt es einen durchgehenden Radweg um den Gardasee?

Nein. Die Ciclovia del Garda ist im Bau, befahrbar sind einzelne Abschnitte. Dazwischen fährst du auf der Gardesana. Den aktuellen Stand findest du im Überblick zum Gardasee Radweg.

Welche Richtung ist besser?

Gegen den Uhrzeigersinn, also zuerst das Westufer. Dort liegen 1046 der 1372 Höhenmeter, rund drei Viertel. Wer andersherum fährt, hat den anstrengendsten Abschnitt am letzten Tag. Das ist eine Empfehlung, keine Regel.

Darf man mit dem Rad durch die Tunnel?

Nach den Kartendaten spricht nichts dagegen: In einem Ausschnitt beider Ufer auf Höhe Torri del Benaco bis Malcesine liegen 26 Tunnel, keiner davon ist für Räder gesperrt, elf sind ausdrücklich freigegeben. Maßgeblich ist aber die Beschilderung vor Ort, nicht die Karte. Und angenehm ist es nicht: eng, laut, schlecht beleuchtet. Gutes Licht ist Pflicht.

Kann man die Runde mit dem Rennrad fahren?

Ja, die Strecke ist durchgehend asphaltiert. Gerechnet komme ich auf 171.8 Kilometer und 1349 Höhenmeter, also praktisch dieselben Werte wie mit dem Tourenrad.

Redaktion Gardasee entdecken